29.1.17

1. Gesichtsseife - Frau über Bord

Heute wollte ich wieder eine Seife sieden, und zwar eine abgespeckte Version meiner geplanten perfekten Gesichtsseife. Dafür ist der Gundermannölauszug noch nicht fertig. Und ich wollte mal testen, wie meine Haut Salz so mag, also wollte ich eine Salzseife herstellen. Inspiriert hat mich Petras "Sandy". Das Palmkernöl ersetzte ich durch Babassu (beides fest, beides Schaumfette) und das Lanolin durch Diestelöl (einfach so, darum, und sind ja auch nur 5%, kann also nicht so schlimm sein).

Ich wollte 500g Gesamtfettmenge erzeugen, dann für eine 100%ige Salzseife nochmal 500g fein gemahlenes Meersalz dazugeben. 30% Flüssigkeiten (von der GFM ausgehend) ergeben 150g. Ich wollte ca. 1:1 Wasser:NaOH nehmen, also 70g destilliertes Wasser und 80g Sahne. Ich wollte so gerne Sahne mit reinnehmen, aber das NaOH nicht darin anrühren, weil das wohl (für Anfänger) nicht ganz so einfach sein soll wie mit destilliertem Wasser. Die Sahne teilte ich auf und rührte in einer groben Hälfte einen Esslöffel Heilerde an, und in der anderen Hälfte eine Teelöffel Honig. Beides gut für die Haut. Außerdem rührte ich die ätherischen Öle in einen Teil der Mischung der flüssigen Öle, um den so genannten "Blitzbeton" zu vermeiden. Angeblich hiflt das. Leider sponn die Waage, und so konnte ich nur grob schätzen, wie viel ich da gerade reinkippte. Erst 17 Tropfen Geraniumöl, immernoch stand auf der Waage 0,0. Dann 17 Tropfen Atlaszedernöl, immernoch 0,0. Bei dem ersten Tropfen Teebaumöl sprang sie plötzlich auf 0,5g. Im Endeffekt habe ich abgeschätzt, dass 68 Tropfen etwa 4g sein müssten, also 68 Tropfen Geraniumöl (grob geschätzt, da zwischendurch nicht mitgezählt), 68 Tropfen Atlaszedernöl und 34 Tropfen Teebaumöl. Es müssten am Ende grob 10,5g zusammen gewesen sein, also halbwegs gut geschätzt.

Die festen Fette schmolz ich, gab die flüssigen dazu und wartete, dass das ganze abkühlte. Es fing bei grob 70 Grad Celsius an, also stellte ich den Topf auf den Balkon, bei etwa 0 Grad Celsius. Als ich dann alles vorbereitet, abgemessen, bereitgestellt, eingerührt hatte, ging ich auf den Balkon, um die Lauge anzurühren. In der Zwischenzeit war das Fett auf 23 Grad abgekühlt. Also schnell rein damit! Geplant waren ca. 38 Grad. Also rührte ich schnell die Lauge an. Die hatte nun auch so 60 Grad, aber ich hatte Angst, dass die Fette noch mehr abkühlen und wieder fest werden. Also kippte ich die Lauge durch ein ultra feines Metallsieb dazu. Zum besseren Einfüllen in die Einzelförmchen wollte ich das ganze im Messbecher rühren. Also füllte ich alles noch vor dem pürieren (nach kurzem durchrühren mit dem Teigschaber) zurück in den Messbecher, in dem zuvor die Lauge war (nachdem ich mich überzeugt habe, dass da kein Kristall mehr rumfliegt). Dabei sah ich schon das erste Übel: die Fette wurden schon wieder fest, sie hatten eine geleeartige Konsistenz. Ich tauchte den Pürierstab unter, versuchte die Luftblasen rauszuklopfen, und drückte ein paar Mal kurz auf den Knopf. Dazwischen rührte ich mit dem Püri um. Schon nach 3x war die Masse dickflüssig, aber immerhin homogen. Ich hatte Angst, dass es sich um so genanntes "false Trace" handeln würde, also pürierte ich noch ein paar Mal. Dann hatte ich aber wiederum Angst, dass es zu fest werden würde. Also kippte ich alle restlichen Zutaten dazu und versuchte, alles unterzuheben und ab und zu weiter zu pürieren. Das Salz machte das ganze sehr trocken und bröckelig. Beim rühren puffte das Salz ab und zu hoch. Irgendwann hatte ich dann endlich ein gleichmäßiges (wenn auch kristallenes) Gemisch, das allerdings sehr hart war. Den Pürierstab befreite ich daraus. Es tropfte nichts mehr. Ich hätte den Topf kopfüber hinstellen können, es wäre einfach mal rein garnichts passiert.

Dann fing ich an, mit dem Teigschaber Brocken abzubrechen und in die Formen zu quetschen. Leider empfand ich den Teigschaber als zu schwach, also machte ich mit dem Rührlöffel weiter. Dessen glatte Außenfläche sorgte sogar für eine erstaunlich glatte Oberfläche auf den Formen. Ich hoffe, alles schön in die Ecken gedrückt zu haben. Anfangs ließ ich die Formen ein paar Mal auf den Tisch fallen/klopfen, um die Masse mehr in die Ecken zu drücken, aber ich glaube dabei tat sich garnichts. Bei Silikonformen mit dicken Wänden (meine Schafe) ging es ganz gut mit dem quetschen, aber die dünnwandigen Formen sind mächtig aus der Form geraten! Ich habe dann versucht, sie mit den Fingern wieder etwas gerade zu drücken, sodass sie wenigstens wieder rauskommen. Mal sehen, ob das was geholfen hat.

So sah das Werk dann aus:




Es war natürlich auch auf dem Tisch eine mächtige Sauerei! Überall flogen die kleinen Krümel rum. Einsammeln funktionierte nicht, ich verlor immer genauso viel wie ich aufnahm. Glücklicherweise ist fast nichts auf dem Boden gelandet.

Dann machten wir einen tollen Wintersonntagsspaziergang! Wir hatten eigentlich keine Lust, aber bei dem Wetter MUSSTE man einfach raus! Und dabei entdeckten wir gleich tolle Schlittschuhbahnen :) Unterwegs verlor ich mal wieder meine Handschuhe, aber glücklicherweise fanden wir sie diesmal wieder.
Auf dem Fahrrad dahin überlegte ich mir den Namen. Sie hätte "Meeresbriese" heißen sollen, wegen des Meersalzes. Aber eine Briese ist das bestimmt nicht! Mehr ein Orkan, Hurricane. Ich wollte einen Unfall auf dem Meer darstellen. Da dachte ich "Mann über Bord" wäre passend. Und warum fallen eigentlich immer nur Männer vom Schiff, ich bin ja ne Frau, und mir ist das Unglück passiert, also wurde es "Frau über Bord".








Wieder zurück (etwa 3 Stunden später) schaute ich nach den Seifen. Sie wirkten schon fest. Aber unglücklicherweise haben sich bei manchen auf der Oberfläche goldene Tropfen gebildet. Ich habe keine Ahnung, was das ist! Und ausformen möchte ich sie, solange ich das nicht weiß, natürlich auch nicht. Ich habe mal im 4um gefragt, ich hoffe ich kriege schnell eine Antwort! 😱



Sollten sie (hoffentlich) doch was geworden sein, und ich sie nicht entsorgen müssen, folgen hier noch die Fotos nach dem Ausformen.

Hier noch das Rezept:
25% Kokosöl
25% Babassuöl
20% Sheabutter
16% Avocadoöl
5% Diestelöl
5% Rizinusöl
4% Jojobaöl

14% Destilliertes Wasser (1:1 Wasser:NaOH)
16% Sahne
1EL Heilerde (in der halben Sahne gerührt)
4g Geraniumöl, 4g Atlaszedernöl, 2g Teebaumöl (in einem Teil der flüssigen Ölmischung gerührt)
1TL Honig (in der halben Sahne gerührt)
100% Meersalz (mit dem Mixer pulverisiert, in den fertigen Seifenleim gegeben)

NaOH für 10% Überfettung

In Einzelformen gequestscht, nicht isoliert, nicht gelen lassen.

Kosten: ca. 9 Euro

Update:

Nach dem ausformen sahen sie so aus:







Garnicht so schlecht. Wenn auch sehr bröselig. Testhalb schnitt ich ein paar stark blutende in der Mitte durch. Erstaunlicherweise sahen sie innen gut aus. Auch die Schafe, die ja nicht geblutet haben, sahen innen gut aus. Sehr verwirrend.





Nach ein paar Tagen fühlten sie sich garnicht gut an. Die Oberfläche war nass. Ich habe also super Luftentfeuchter erzeugt! Das fand ich nicht schön. Ich habe also eines der Schafe aufgehoben und den Rest zu Kernseife verarbeitet. Die erhält man, wenn man Seife mit Wasser aufkocht und so viel Salz hinzufügt, dass sie ausflockt und oben schwimmt. Hätte ich nicht schon unmengen an Salz in der Seife gehabt, hätte ich vielleicht versucht, sie einfach einzuschmelzen und neu zu gießen. Aber so ging das nicht. Sie flockte ziemlich schnell aus. Da ich die restlichen Fette nicht mehr verseifen konnte, weil das ganze Salz ja schon drin war, musste ich die 10% Überfettungsfett mit wegkippen. Schade drum. Da die Unterlauge (die Brühe, die nach dem abschöpfen der Seifenflocken übrig ist) noch recht braun war, wiederholte ich den Vorgang. Ich kippte die Seife zurück in den Topf, füllte wieder mit Wasser auf und kochte das ganze auf. Ich pürierte nochmal, sodass die Seifenflocken sich wieder komplett lösten. Dann gab ich nach und nach immer mehr Salz zu. Das waren bestimmt so um die 200g. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel braucht. Ich konnte auch die Temperatur nicht so super hoch drehen, weil mein Adaptertopf zu heiß wurde. Irgendwas roch angebrannt. Wasser in den Adaptertopf zu füllen half auch nicht, weil die Hitze zwischen den zwei Töpfen entweichen wollte, anstatt die Hitze an den inneren Topf abzugeben. Eine Adapterplatte wäre was feines 😋






Ich schöpfte es dann einfach in einen Messbecher und eine Einzelform, zum austesten. Am nächsten Morgen holte ich dann alles aus den Formen. Es hatte sich noch viel Wasser abgesetzt, das ich erstmal aufwischen musste. Aber die Form war erkennbar. Die Seife aus dem Messbecher habe ich mit einem Messer in Stücke geschnitten. Sie war mega weich und zerbrach schnell! Die Brösel konnte ich aufsammeln und zu einer Kugel formen. Ich bin mal gespannt, wie lang das trocknen muss.


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