12.2.17

1. OHP Handseife - деда("Dedo", Opa)

Da mir meine letzten Seifen nicht so wirklich geglückt sind, wollte ich mich mal an einer OHP (Oven Hot Process) versuchen. Letzte Woche habe ich da etwas recherchiert. Am einfachsten geht das wohl mit einem sogenannten Crockpot/Schongarer/Slow Cooker. Kosename: Crocki. Alternativ im Ofen, am besten mit Glasdecke. Erstens hat mein Seifentopf keinen Glasdeckel, und zweitens ist er so hoch, dass er mit Deckel nicht in den Ofen passt. Auf dem Herd geht das wohl auch, aber dazu fand ich nur sehr wenig Information. Eine Quelle klang zu einfach, eine Quelle klang zu kompliziert, langwierig und energieverschwenderisch. Im Endeffekt nahm ich davon: Irgendwie machen, wird schon irgendwie Seife. Naja, genauer wollte ich es dann schon. Und schwupps, kam ein Crocki bei Ebay Kleinanzeigen rein. Da hatte ich mir vor einer Weile die Suche gespeichert, es gab nur bisher keinen. Sofort angeschrieben, und kurze Zeit später hatte ich recherchiert, dass es wirklich einer ist, wie ich ihn haben möchte, neuwertig, und zu einem unschlagbar günsigen Preis. Ich machte fast Luftsprünge vor Freude 😁  Zeit und Ort waren ausgemacht, jetzt hieß es warten. Ich recherchierte nun noch genauer, wie das mit dem Crocki richtig geht. Glücklicherweise gab es ein schönes Tutorial im seifen4um (klick). Am Freitag holte ich dann noch schnell Buttermilch, die wollte ich darin versenken.

Erstmal zum üben wollte ich ein Rezept nehmen, das so einfach wie möglich ist. Olivenöl mag ich sowieso, davon sollte viel rein. Also Hälfte davon. Die andere Hälfte sollte aus festen Fetten bestehen. Also nahm ich Sheabutter und Babassuöl.

Die Grundseife soll schon leicht überfettet sein, um bloß keinen Laugenüberschuss zu haben. Da wählte ich 2%. Bei OHP (in meinem Fall eher eine CHP - Crocki Hot Process, oder? 😂 ) macht man erst die Seife fertig, indem man sie anrührt und dann erwärmt, bis sie durchverseift ist. Danach besteht sie schon den sogenannten "Küsschentest". Dann überfettet man sie noch weiter, und kann nun schöne Öle/Fette nehmen, die in einer CP (Cold Process) vielleicht zu schade wären, weil man da ja nicht weiß, auf welche Fette sich die Lauge stürzt, und welche am Ende noch unverseift übrig bleiben. Zusätzlich zu diesem Überfettungsfett gibt man für gewöhnlich (manche verzichten darauf) noch ein Sauermilchprodukt dazu, um die Seife, die ja fertig ziemlich fest ist, wieder fließfähiger zu machen. Das ganze erwärmt man auf Seifentemperatur (ca. 80 Grad) im Wasserbad, um die Seife nicht Schockabzukühlen. Dann gibt man das zur fertigen Seife und rührt was das Zeug hält, bis es wieder etwas geschmeidiger wird und in die Form gegeben werden kann. Dann lässt man das ganze auskühlen und kann es theoretisch sofort verwenden. Allerdings lässt man es normalerweise erst noch etwas trocknen, dass das Wasser verdunsten kann, und sie sich nicht so schnell aufbraucht.

Das Rezept ist also folgendes:
500g GFM
50% (250g) Olivenöl
25% (125g) Babassuöl
25% (125g) Sheabutter
140g destilliertes Wasser
NaOH für 2% Überfettung
Zugaben: 10% (50g) Babassuöl, 10% (50g) Olivenöl, 10% (50g) Buttermilch
Kostenpunkt: 8,22 Euro

So, soweit zur Theorie. Starten wir.

Zur Berechnung des NaOH habe ich also erstmal das Überfettungsfett ignoriert, und in den Seifenrechner nur meine 50% Olivenöl, 25% Babassuöl und 25% Sheabutter eingegeben. Ich wollte in dieser Grundseife 2% Überfettung, nur als Sicherheitsspanne haben. Zur Überfettung wollte ich dann nochmal 10% Olivenöl und 10% Babassuöl zugeben. Ich plante 500g GFM, davon 2% Überfettung sind 10g, dazu nochmal 20g Oliven- und Babassuöl sind insgesamt 610g Fett. 110g dieser 610g sind zur Überfettung. Damit ergibt sich eine Gesamtüberfettung von 18%. Das soll ein Pflegeschätzchen werden 😊 .

Als erstes maß ich wieder die Fette ab und schmolz sie. Ich maß das Olivenöl und gab es zu den geschmolzenen Fetten. Ich bereitete die Lauge zu und ließ alles abkühlen. Zwar ist die richtige Temperatur bei OHP nicht so wichtig, man kann das wohl auch "heiß" verarbeiten, aber ich wollte quasi CP nochmal üben. Also ließ ich alles abkühlen, bis die Fette auf 30 Grad waren. Die Lauge war nun etwa bei 37 Grad. Ich kippte die Lauge in die Fette, rührte viel mit dem Pürierstab und gab ab und zu kleine Mixstöße. Beim ersten Mixstoß wurde es schon wieder dick, ich dachte so, das kann nicht sein! Aber beim weiteren rühren wurde es wieder brav, wurde cremig und homogen. Insgesamt brauchte es nicht viele Mixstöße, aber ich ließ es wieder schön cremig, puddingartig werden. Dann füllte ich es den Crocki-Topf und stellt den Crocki auf den erste Stufe. Das sollen so 80-90 Grad sein, optimal für OHP.

Feste Fette schmelzen

Olivenöl


Lauge

Fette/Öl

Fertig emulgierter Seifenleim in Crocki-Topf

Crocki frisch angestellt

Nach einer Weile (ich habe nicht auf die Uhr geschaut, ne Stunde vielleicht) sah es ziemlich durchgeseift aus. Es sah nach einer gummiartigen Schicht aus, und an der Seite quoll eine Art weißer Schaum raus.


Als das so aussah, schmolz ich das Überfettungsbabassuöl, gab Olivenöl und Buttermilch dazu und erwärmte alles.


Die Buttermilch fing an, auszuflocken. Ich hoffe, das ist kein Problem. Ich rührte dann mit dem Schneebesen die Seife durch. Die war noch erstaunlich geschmeidig. Ich hatte einen einzigen Brocken erwartet. Dann gab ich das Öl-Buttermilch-Gemisch dazu, als es so auf 77 Grad etwa war.


Die Pampe war eigentlich recht geschmeidig, aber auch sehr flutschig. Es wollte kaum auf dem Silikonlöffel bleiben, und es haftete auch nicht aneinander. Es war recht schwierig, in der Form daraus eine glatte Masse zu machen. Ich bin gespannt, ob es nachher eine unbröselige Seife gibt.



Dann deckte ich das ganze mit einer Pappe ab und legte wieder meine Brigade Handtücher darauf, auf dass es langsam abkühle. Ich bin gespannt, wie es morgen aussieht, und ob es sich gut schneiden lässt.


So, heute (nächster Tag) früh konnte ich sie ausformen, aber sie war noch recht weich, sodass ich Angst hatte, damit nur meinen Seifenschneider zu verschmieren. Ich ließ sie also noch liegen. Abends zu Hause angekommen führte mein erster Weg ins "Seifenzimmer" 😂  Sie war nun fest genug, und ich schnitt sie. Das ging ganz gut von der Hand. Und vom Innenleben bin ich begeistert! Sie ist schön fest, kompakt, glatt. Keine Luftlöcher. Ich mag sie 😋

Nun zur Namensfindung: Die Seife hat eine recht rustikale Optik und ist oben schrumpelig. Außerdem musste ich während des Herstellungsprozesses viel an meinen Opa denken, weil er der einzige aus meiner Familie zu sein scheint, den mein neues Hobby freut. Er nannte mich liebevoll seine "kleine Seifensiederin". Ihm wollte ich die erste geglückte Seife schicken, und deshalb hoffte ich, diese würde es sein. Ihm wollte ich diese Seife also widmen. Und wie der Zufall so will, singen wir im Chor gerade ein Lied, dass da heißt "Ergen Dedo" (Ерген деда, googlet mal, voll lustig 😁 ). Dedo heißt so viel wie "Opa" oder "alter Mann". Und so war der Name klar.

Angewaschen ist sie auch schon (bei OHP geht das ja sofort *freu*). Der Schaum ist sehr cremig und kuschelig/flauschig. Ich hoffe, sie fettet auch genug nach.


Erstes Mal schneiden mit meinem neuen Seifenschneider




Die weißen Flecken sind geflockte Buttermilch. Stört mich aber nicht.

Ich habe das mal mit farbigem Stempeln versucht ... ging völlig in die Hose 😁

Die ohne Lila haben auch Stempel, nur ohne Farbe ... kann man gleich weglassen. 
Sehr feiner, cremiger Schaum





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen