6.2.17

1. Zahnseife - After Eight

Ich wollte mir schon länger mal eine Zahnseife sieden. Jetzt bin ich endlich mal zur Tat geschritten. Nachdem ich nun alle Zutaten beisammen hatte, nahm ich ein Rezept zur Hand, das schon vielfach getestet und für gut befunden wurde: link

Im Forum wurde mir von Tee für die Lauge an einer Stelle abgeraten, also wollte ich nichts riskieren und nutzte stattdessen destilliertes Wasser. Insgesamt halbierte ich auch die Menge, da ich es erstmal ausprobieren wollte. Noch weniger wollte ich aber auch nicht nehmen, weil man so kleine Mengen nicht mehr richtig mixen kann.
Außerdem tauschte ich das Sesamöl gegen Mandelöl aus, da ich kein Sesamöl da habe.
Das Kurkuma ließ ich auch weg, da ich die Gefahr gelb gefärbter Zähne nicht riskieren wollte.

Also war das Rezept:
GFM 150g:
30% (45g) Sheabutter
25% (37,5g) Babassuöl
20% (30g) Kakaobutter
12% (18g) Mandelöl
10% (15g) Olivenöl
3% (4,5g) Rizinusöl

33% (50g) destilliertes Wasser
13% (19,5g) Xylit
4% (6g) Schlämmkreide
10 Tropfen ätherisches Pfefferminzöl
NaOH für 9% Überfettung

Das sind mal erstaunlich wenig flüssige Öle! Ich hatte Angst, das ganze zu sehr abkühlen zu lassen, dass die Fette wieder von selbst fest werden. Andererseits hatte ich Angst, zu warm zu arbeiten, weil das ganze dann zu schnell andickt. Wie man's macht, macht man's verkehrt.

Die Lauge habe ich als erstes zubereitet, ich habe von den letzten Malen gelernt. Die Gefahr, dass da was umkippt während ich nicht im Raum bin, hielt ich für vertretbar, da außer mir da ja niemand rumgerannt ist.

Ich hatte vergessen, dass ich in einem Teil des Wassers die Schlämmkreide und das Xylit anrühren wollte. Die Lauge war ja nun schon fertig, also musste ich das in dem flüssigen Öl anrühren, das ja sowieso schon so wenig war. Ich knappte mir also ein Minimum davon ab, mörserte das Xylit, und rührte das Xylit mit der Schlämmkreide (die von sich aus schon Staubfein ist) in dem Öl an. Ein bisschen mehr nutzte ich, um das Pfefferminzöl anzurühren. Das roch gut nach Zahnpasta!

Währenddessen schmolzen schon die festen Fette. Als sie geschmolzen waren, goss ich sie zu dem bisschen flüssigen Öl, das noch übrig war. Da kam mir schon ein übler Gedanke: Meine Kakaobutter ist unraffiniert, d.h. sie riecht (und schmeckt) wie weiße Schokolade. Zusammen mit dem Pfefferminzöl drehte sich mir fast der Magen um. Ich kann After Eight nicht ausstehen! Und so entstand der Name ... ich hoffe, entweder das Pfefferminzöl oder der Kakaogeschmack verfliegen noch! 🙏 *bitte bitte*

Das Pfefferminzöl einfach weglassen konnte ich nun auch nicht, da ich es ja in einem Teil der flüssigen Öle angerührt hatte. Ich hatte nun keine Ahnung, wie viele Öle und in welchem Verhältnis da jetzt drin waren. Wenn ich die einfach wegließe, rieskierte ich, nachher einen Laugenüberschuss in der Seife zu haben. Das wäre das schlimmste, was passieren könnte. Das will man nicht im Mund haben. Ich hätte natürlich großzügig noch flüssiges Öl zugeben können, aber nachher ist die Seife viel zu fett, auch das will man nicht im Mund haben. Also hoffte ich darauf, dass es in der fertigen Seife nicht so schlimm wird. *noch ein Stoßgebet send*

Die Fette ließ ich auf 38 Grad abkühlen. Ich hatte gelesen, das sei so durchschnittlich die optimale Arbeitstemperatur. Die Lauge war schon fast auf Zimmertemperatur. Ich tauchte den Püri unter, goss die Lauge dazu, und schwupps wurden die Fette hart. Na toll! Ich lerne auch nicht dazu! Ich habe dann einfach fleißig stoßweise püriert und zwischendurch viel einfach mit dem Püri gerührt. Ich wollte nicht riskieren, dass ich nur ein "false Trace"1 beobachte und sich später Lauge und Fette wieder trennen! Also pürierte und rührte ich fleißig weiter. An der Konsistenz änderte sich nicht viel, sie wurde homogener, aber nicht wieder weicher, dafür auch nicht wirklich fester. Dann gab ich Xylit und Schlämmkreide in dem bisschen Öl dazu und rührmixte weiter. Dann befreite ich den Püri, kratzte ihn so gut es ging mit dem Löffel ab (tropfen tat da nix mehr!) und rührte das Pfefferminzöl mit dem Löffel unter. Dann fing ich wieder mal an zu spachteln. Da ich kleine Zahnseifchen wollte, wollte ich das ganze in meine Eiswürfelformen füllen. Daher spachtelte ich gleich mit dem kleinen Löffel. Das war vielleicht ein gefipsel und geschmiere! Aber letztendlich war alles drin, die Handschuhe eingesaut, und ich fertig. Fix und! Und mein Magen auch. Noch schnell den Pürierstab in etwas heißem Wasser pürieren lassen um ihn zu säubern und raus aus dem Zimmer! Tür zu!

Kostenpunkt: ca. 4 Euro

1. Zu einer False Trace kann es immer dann kommen wenn man Fette nimmt die bei Raumtemperatur fest sind. Nach dem Verflüssigen können sie bei Zugabe zu den kühleren, dünnflüssigen Ölen wieder langsam fester werden und täuschen so eine Trace vor. Das führt dann dazu, das sich im SL noch Nester von nicht reagierter Natronlauge befinden können, wenn man den SL in die Form bringt. (Quelle)

Die verflüssigten Fette mit den flüssigen Ölen

Die angerührte Lauge

Die Schlämmkreide und das Xylit, in Öl gerührt

Das Pfefferminzöl in Öl gerührt

Der Blitzbeton ... ääh ... Seifenleim

Fertig eingefüllt *schnauf*

Heute früh konnte ich sie schon ausformen. Ich musste nur leicht unten drücken und schon poppten sie hoch. Toll. Fühlen sich aber natürlich noch etwas weich an.



UPDATE: Ich habe die Seife ein paar Wochen lang zum Zähneputzen verwendet. Besonders im Urlaub ist das sehr praktisch! Es schmeckte, wenn man sich erstmal dran gewöhnt hat, auch garnicht ekelig. Man muss einfach diesen Gedanken verdrängen "Ich nehme da gerade Seife in den Mund, bin ich denn völlig bescheuert?". Immer wenn dieser Gedanke kam, wurde mir übel, sonst nicht. Das zeugt doch davon, dass die Seife an sich nichts dafür kann, sondern es ein rein psychisches Problem ist. Nach wenigen Tagen hatte ich mich dann dran gewöhnt und alles ging gut. Ich testete auch beide Zahnseifen, und diese hier mochte ich etwas mehr. Dann hatte ich allerdings einen Zahnarzttermin, und die Zahnärztin riet mir dazu, fluoridhaltige Zahnpasta zu nutzen. Sie meinte, die Menge macht das Gift, und Fluorid wäre wichtig für die Zähne, und wenn man es nur in Zahnpasta nutzt sei es nicht zu viel. Der Zahnärztin glaube ich mehr als einer Internetrecherche, denn im Internet kann man zu jeder Meinung ein Für und Wider finden. Es ist wirklich schwierig, Informationen aus dem Internet richtig zu bewerten. Daher traue ich eher denjenigen, die darüber Forschung betreiben und das studieren. Vielleicht nutze ich die Seife aber in Zukunft im Urlaub, und zu Hause die Zahnpasta. Allerdings ist dieser ständige Geschmackswechsel auch immer nicht so einfach.



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