22.4.17

Muh

In letzter Zeit ist in meiner Seifenküche etwas Ruhe eingekehrt. Es gab einfach zu viele andere Dinge zu tun und zu basteln. Besonders das Stoffbuch zum 1. Geburtstag meines Neffen hat mich auf Trab gehalten, das Halbschattenhäuschen für meine Avocado war auch nicht ohne. Aber jetzt habe ich endlich wieder etwas Zeit zum durchatmen. Eigentlich wollte ich dieses Wochenende einfach mal nichts tun, aber das fällt mir immer so schwer. Und da meine gefrorene Milch schon länger eine Etage des Gefrierschrankes blockierte, die ich gerne wieder zur Verfügung haben wollte, entschied ich mich heute früh spontan, eine Milchseife herzustellen. Und zwar meine erste. Da Milch wohl recht schwierig sein soll, wollte ich den Rest so einfach wie möglich halten. Auch entschied ich mich gegen Kokosöl, weil ich vermute, dass das besonders austrocknend wirkt.

Das Rezept sollte also folgendes sein:

500g GFM:
25% (125g) Babassuöl
25% (125g) Sheabutter
50% (250g) Olivenöl (ich liebe Olivenöl einfach! In jeder Form! :) )
NaOH für 15% Überfettung
33% (165g) Kuhmilch
2 TL Salz
4 TL Zucker
1,2g äth. Rosmarinöl
1,2g äth. Tannennadelöl
2,5g äth. Birkenöl
3,6g äth. Bergamotteöl

Kostenpunkt: ca. 7,50 Euro.

Die Milch hatte ich mit dem Zucker und dem Salz verrührt und lange (einige Wochen) eingefroren. So lange ist natürlich unnötig, aber ich kam früher einfach nicht dazu. Mein Ziel ist eigentlich, Seife mit Ziegenmilch herzustellen, aber erstmal wollte ich mit Kuhmilch üben. Da Salz in der Milch war, gefror sie nicht richtig, sondern blieb irgendwie grisselig. Nichtmehr flüssig, aber auch nicht sehr widerstandsfähig bei Druck.
Diese "Eiswürfel" gab ich in meinen Messbecher und füllte mit weiterer Milch auf 165g auf, da einiges an den Eiswürfelformen hängengeblieben war. Den Messbecher stellte ich wieder zurück in den Tiefkühler. Dann wog ich die festen Fette ab und schmolz sie auf sehr geringer Hitze, um sie danach nicht so lange runterkühlen lassen zu müssen. Ob das wirklich eine Zeitersparnis ist, weiß ich nicht. Es ist eben immer mit Warten verbunden.
Das Olivenöl wog ich auch ab und gab die ätherischen Öle direkt dazu. Als die festen Fette geschmolzen waren, kam das Olivenöl mit den ätherischen Ölen dazu. Das ganze hatte jetzt schon nur 36 Grad. Ich stellte es noch kurz auf den Balkon, um weiter abzukühlen.
Dann holte ich die Milch aus dem Gefrierfach und stampfte sie mit einem Löffel und dem Schneebesen etwas klein, um sie rührbar zu machen.

Zur Erklärung, warum die Milch eingefroren war: Wenn NaOH mit einer Flüssigkeit in Kontakt kommt, entsteht dabei viel Wärme. Das ganze heizt sich gerne auf 80 Grad und mehr auf. Wenn Milch aber so warm wird, dann entsteht Ammoniak, und das möchte keiner riechen. Das verfliegt angeblich manchmal nach langer Reifezeit in der fertigen Seife, aber wenn es sich vermeiden lässt, sollte man das tun. Indem man die Flüssigkeit (hier Milch) vorher tiefkühlt, schafft es das NaOH nicht, die Flüssigkeit so stark zu erhitzen, weil die Ausgangstemperatur ja schon sehr niedrig ist. Allerdings muss man dennoch sehr schnell arbeiten, und wenn das NaOH gelöst ist die Pampe schnell in die Fette geben und emulgieren, weil sie sich sonst weiter aufheizt und die Gefahr für Ammoniak steigt.

Ich gab also das NaOH in mehreren Etappen in die Milch, aber durchaus schneller, als ich das normalerweise tun würde. Ich rührte mit dem Schneebesen, und hatte das Gefühl, dass da noch gefrorene Stücke drin waren. Das Thermometer stieg, bei 28 Grad nahm ich es wieder heraus und wartete nicht die finale Messung ab. Ich dachte: bei 28 Grad kann eigentlich kein gefrorener Klumpen mehr vorhanden sein. Also gab ich die Masse durch das Sieb ins Fett. Ich strich alles so gut es ging mit dem Löffel durch das Sieb. Es blieb eine feste Masse zurück, die sehr gelb war, es sah fast aus wie Karamell. Es blieb dann auch am Löffel kleben, sodass ich ihn beim Abwasch erst einweichen musste, dass das wieder abging. Vielleicht hat das NaOH doch schon weit genug erhitzt, dass der Zucker karamelisiert ist? Es war aber von außen noch nichtmal handwarm. Keine Ahnung, was das war.

Ich rührte dann den Seifenleim etwas mit dem Silikonlöffel, dann pürierte ich, bis es Pudding wurde. Ich wollte sicher gehen, dass die Emulsion stattgefunden hatte. Dann schaufelte ich mit dem Silikonlöffel die Einzelförmchen voll. Da Seife ja auch beim Reifen in den Förmchen Hitze produziert, stellte ich dann alle Förmchen auf ein Tablett und das Tablett dann in den Kühlschrank, um die Erhitzung und damit wieder das Ammoniak zu unterbinden.



Jetzt ruht sie friedlich und ich warte, dass ich sie ausformen kann. Dann gibt es Bilder :)


So, heute fühlte sie sich ausreichend fest an, um sie auszuformen. Leider wurde sie dann recht schnell wärmer und damit auch wieder weicher, sodass ich ein Schaf ziemlich gequetscht habe, als ich es aus der Form nahm. Auch beim hin- und herheben der einzelnen Seifen für die Fotos habe ich ein paar Druckstellen hinterlassen. Sie ist also noch unglaublich weich, aber bisher sind alle Seifen was geworden, also wird auch diese bestimmt noch fest. Das braucht sicher nur etwas, weil ich ja 33% Flüssigkeit genommen hatte, und das nicht reduziert habe. Diese Feuchtigkeit muss ja erstmal raus.

So, und nun zu den Bildern.











Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen